Washington D.C. / endlose Motelsuche / White House und Oral Office / Capitol / The Mall / »I have a dream…« / »Lauf, Forrest, lauf!«

Bild 1, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 2, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 3, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 4, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 5, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 6, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 7, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 8, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington Bild 9, USA Ostküste: Rocky Mount - Washington

Anzeigen

Erzählt man jemandem, Washington sei eine der jüngsten Städte der USA — wenn nicht sogar die mit Abstand jüngste — handelt man sich ein paar schiefe Blicke ein. Schließlich sind viele Sehenswürdigkeiten und Gebäude der Stadt weithin bekannt und sehen nicht unbedingt danach aus, als seien sie jünger als 30 Jahre. Letzteres stimmt auch nicht, und trotzdem gibt es die Stadt Washington erst seit 1974, als nämlich der Bundesdistrikt Washington D.C. zum ersten Mal einen Bürgermeister einsetzte und seitdem nicht mehr unter Verwaltungshoheit des Staates stand.

Aber jetzt mal ganz langsam und übersichtlich: 1783 beschloss der Kongress, dass die Nation eine permanente Hauptstadt brauche. Allerdings konnte man sich nicht darauf einigen, welche existierende Stadt die Ehre bekommen sollte. Deshalb wurde schließlich ein neutrales Gebiet von 100 Quadratmeilen zwischen Virginia und Maryland festgelegt, in dem ein eigenes Staatsgebiet (Federal District) gegründet wurde. Der Name entstand zu Ehren des Gründervaters und ersten Präsidenten der USA, George Washington, und des Entdeckers Christoph Columbus: Washington D.C. (District of Columbia). Der Franzose Pierre L'Enfant wurde 1791 mit dem Entwurf der "Federal City", wie sie anfangs hieß, nach dem Muster von Paris beauftragt. Das Ergebnis ist heute eine Stadt, dessen Mittelpunkt das Capitol (Sitz des Kongresses) bildet, und von dem aus vier Strassen im Stil eines Fadenkreuzes abzweigen: North Capitol Street, South Capitol Street, East Capitol Street und "The Mall" (ein Park mit zahlreichen Museen) als vierte Achse.

Als wir nach endloser Suche endlich unser Motel gefunden hatten, mussten wir erstmal ein kleines bisschen ausruhen, bevor wir in die Innenstadt fuhren. Der Weg von Wilmington aus war trotz Zwischenstopp in Rocky Mount doch sehr lang. Und obwohl Autofahren in den USA ziemlich relaxt abläuft - man hat einen Tempomat, eine Klimaanlage, und es darf rechts überholt werden - spürten wir die Auswirkungen der zahlreichen Stadtbesichtigungen in den Knochen.

Als wir schließlich downtown waren, besichtigten wir fast alle bekannten Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muss, wenn man in Washington ist. Die erste Anlaufstelle war das Weiße Haus, in dem Billy Boy Clinton residierte, und dessen »Oral Office« wir leider nicht zu sehen bekamen, weil sich vor dem Kassenhäuschen endlos lange Warteschlangen gebildet hatten. Den berühmten Blick vom Zaun aus auf den Vordereingang hab ich natürlich fotografisch festgehalten, allerdings mit einem gelben Kran im Bild (Foto 1). Eine weitere Station war das Capitol, in dem der Kongress der Vereinigten Staaten tagt, und von dessen Treppe aus man einen sehr schönen Blick über den National Mall (kurz »The Mall«) hat. Der Mall dürfte eigentlich allen Leuten bekannt sein: Es ist ein 4 km langer und 91 m breiter Park mit zahlreichen Museen und Monumenten, von dessen Lincoln Memorial aus Martin Luther King 1963 vor 250.000 Menschen seine bedeutende Rede (»I have a dream…«) hielt, und in dessen Teich davor sich Forrest Gump und seine Jenny vor sicherlich ebensovielen Leuten in die Arme fielen.

Washington ist eine der interessantesten und kosmopolitischsten Städte Amerikas, ist geprägt durch seine Geschichte, bietet eine außergewöhnliche Architektur, Unmengen von Museen, zahlreiche Monumente und Gebäude, und ist mit seinen großartig ausgelegten, breiten Avenuen im Zentrum eine sehr saubere und gepflegte Stadt. Allerdings ist sie nicht unbedingt eine der sichersten Städte der USA, da nämlich aufgrund der vielfach armen Bevölkerung, die im Stadtzentrum wohnt, die Kriminalitätsrate sehr hoch ist. Taschendiebstahl und Autoaufbruch sind an der Tagesordnung, und einige der Viertel rund um die Innenstadt sind sehr zerfallen. Man sollte deshalb in Washington - genau wie in den meisten anderen Großstädten Amerikas auch - immer darauf achten, in welchen Gegenden man sich befindet, denn sonst heißt es plötzlich: »Lauf, Forrest, lauf!« — Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt…

Anzeigen