Sweet Auburn und Martin Luther King / vom Winde verweht / Zauberladen im Underground / World of Coca-Cola / keine Sixpacks / thaiwanische Grapefruit-Fanta / abends in der Hotelbar / Schulklasse aus Frankreich / Buckhead verpaßt

Bild 1, USA Ostküste: Atlanta Bild 2, USA Ostküste: Atlanta Bild 3, USA Ostküste: Atlanta Bild 4, USA Ostküste: Atlanta Bild 5, USA Ostküste: Atlanta

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Da Atlanta im Sezessionskrieg fast total niedergebrannt wurde, sieht man heutzutage keine der Ante-Bellum-Häuser mehr, wie etwa in Savannah oder Charleston. Fast alles, was vom alten Atlanta übrig geblieben ist — wie z.B. die Alabama Street — wurde in den Underground integriert, der heute das eigentliche Stadtzentrum darstellt und als »Festival Marketplace« mit Geschäften, Kneipen und Plätzen dient. Außerhalb des Underground zeugt nur noch das Innenstadtviertel Sweet Auburn mit seinen alten viktorianischen Häusern von der Geschichte der Stadt. Hier lebte damals die schwarze Mittelschicht. Und obwohl in Atlanta Rassenprobleme nie eine allzu große Rolle spielten (»Atlanta is too busy to hate!«), bekam gerade hier ein Junge zum ersten Mal einen Traum, als er in seine Windeln schiss: in Sweet Auburn steht das Geburtshaus von Martin Luther King, der hier nach dem Attentat von 1968 auch seine letzte Ruhe fand.

Die Romantik Scarlett O'Haras ist heutzutage in Atlanta »vom Winde verweht«. Die Schöpferin des gleichnahmigen Romans, Margaret Mitchell, war in der Stadt zu Hause. Ihr Haus an der Ecke 10th und Peachtree St., in dem sie das Buch geschrieben hat, ist der Öffentlichkeit zugänglich. Atlanta hat sich in der Zwischenzeit zu einem wichtigen Medienzentrum entwickelt, nennt sich selbst »die größte Drehscheibe des Verkehrs« und besitzt einen der größten Flughäfen der USA.

»Underground Atlanta« hat für mich in etwa den Charme eines Trödelmarktes im Keller des Pentagon: Unmengen von Geschäften, Lokalen, Snackbuden und Verkaufsständen für Schmuck und Lederwaren befinden sich in dunkelen Gängen aus Backstein, von denen niemand so genau weiß, wohin sie eigentlich führen. Touristenscharen bestaunen jeden einzelnen Laden, als gäbe es dort Freikarten für David Copperfield. Sie lassen sich Ketten und Schals von den Händlern aufschwatzen und kaufen Ansichtskarten, Gürtel und Kaffeetassen mit Namen drauf. Der einzige Laden, der uns beeindrucken konnte, war ein kleiner Zauberladen, in dem die beiden Besitzer Tricks vorführten. Frank, der selbst zaubert, war natürlich restlos begeistert. Er war für die nächste halbe Stunde beschäftigt und erstand schließlich einen Zauberstab, mit dem er für den Rest unserer USA-Tour rumspielen würde.

Schließlich kamen wir zur »World of Coca-Cola«, dem Cola-Museum, das nicht weit vom Underground entfernt liegt. Die Eintritt kostete nur schlappe $5, und ich bekam als Cola-Fan sofort leuchtende Augen. Allerdings versprachen die Prospekte und der Name des Museums mehr, als es eigentlich zu bieten hatte. Man bekam zwar allerlei Infos über die Geschichte und Herstellung des Getränks, konnte sich Werbefilme in einem kleinen Kino anschauen, es gab interaktive Terminals und jede Menge Gegenstände in Schaukästen (alte Flaschen, Schilder, Abfüllanlagen, etc.), aber man war dennoch nach einer guten Stunde mit dem Rundgang fertig, ohne dabei in irgendeiner Weise schlauer geworden zu sein. Richtig begeistern kann das Museum wohl hauptsächlich die wahren Fans, die sich im Souvenirshop am Ausgang mit unzähligen Einkaufstüten voller Souvenirs eindecken können. Ich hatte vor der Reise von einem Bekannten erfahren, dass man beim Verlassen des Museums jeweils ein Sixpack Cola pro Person erhalten würde, aber dem war leider nicht so. Somit gab es eigentlich nur zwei Highlights im Museum: 1. Die Zapfanlagen auf halber Strecke des Rundgangs, an denen man gratis über 50 Coca-Cola-Produkte aus aller Welt testen konnte (am fiesesten schmeckte dabei unserer Meinung nach die thaiwanische Grapefruit-Fanta), und 2. das dumme Gesicht eines Mädchens, als es eine Vitrine fotografieren wollte und Frank genau in dem Moment unbeholfen durchs Bild lief.

Abends lungerten wir dann noch lange in der Hotelbar rum und amüsierten uns einerseits über eine Schulklasse aus Frankreich, und andererseits über einen recht besoffenen Typ aus Atlanta. Die Franzosen versuchten, in der Hotelbar eine Party steigen zu lassen, wobei allerdings keine richtige Stimmung aufkam. Das Problem war nämlich, dass alle noch weit unter 21 waren und somit keinen Alkohol trinken durften. Dementsprechend gelangweilt versuchten sie zu Tanzen. Frank unterhielt sich mit zwei der Mädels und brachte bei der Gelegenheit den einzigen französischen Satz an, den er konnte: »Je veux être vigneron, par-avalanche.« (Ich will Winzer werden, Lawinenschutzzaun.) — Der besoffene Typ aus Atlanta erzählte uns, dass wir uns unbedingt Buckhead, ein Nobel- und Partyviertel im Süden Atlantas, hätten anschauen sollen, und dass er außerdem im nächsten Jahr eine Tour machen wolle: »Sweden, Germany and then Australia!«. Marko gab sich vorsichtshalber als »Marko Klein« aus und dem Typ eine falsche Adresse in Deutschland. Das letzte, worauf wir Bock hatten, war nämlich, im nächsten Sommer einen Survival-Hacho aus Amerika vor der Tür stehen zu haben.

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