Overseas Highway / Seven-Miles-Bridge / südlichster Punkt der USA / hektischer als New York, heißer als New Orleans / Lieblingsgetränk Nr. 2 / Shopping statt Nightlife / kein idyllisches Fischerdorf / legendärer Sonnenuntergang
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Die Keys sind eine Reihe von Inseln, ca. 1000 übrigens, die sich wie an einer Perlenschnur von Miami bis Key West reihen. Jede der Inseln entlang des Overseas Highway hat ihren eigenen Charakter, mal laut und touristisch, mal leise und naturbelassen, aber auf jeden Fall immer nah am Wasser und somit ein Paradies für Angler, Hochseefischer, Schnorchler, Surfer, Segler und andere. Die Fahrt über die Keys ist schon ein Erlebnis für sich: Staunend fährt man durch eine der schönsten Landschaften Floridas. Mal über ruhige Landstraßen, mal durch kleine Orte auf den einzelnen Keys, und schließlich über die »Seven-Miles-Bridge«, von der man einen grandiosen Ausblick übers Meer hat. Am Ende der Reise entgegen der untergehenden Sonne landet man schließlich in Key West, wo sich der südlichste Punkt der kontinentalen USA befindet, und wo schon einst Ernest Hemingway in seiner Stammbar »Sloppy Joes« gemütlich am tropischen Cocktail zusselte, als Key West noch ein einsames Fischerdorf war.
Inzwischen haben sich die Zeiten allerdings geändert: Als wir am Ende der Straße ankamen, war der alte Ernest verschwunden, und wir fanden Tourismus in Hochkultur. Hier ging's fast hektischer zu als in New York, hatte man den Eindruck. Außerdem war's zusätzlich noch heißer als in New Orleans, so dass wir uns schwitzend durch die Straßen schleppten, immer auf der Suche nach etwas Trinkbarem und mit dem Ansporn, möglichst viele Sinneseindrücke aufzuschnappen, bevor einen die Hitze völlig umhaute. Na gut, ich übertreibe ein bisschen. Hier war jedoch eindeutig der heißeste Ort unserer Reise.
Aber wo wir gerade bei Trinkbarem sind: Mein Lieblingsgetränk Nr. 2 neben dem Eiskaffee wurde ein Zeug, das ich fälschlicherweise schon aus Deutschland als »isotonischer Durstlöscher« kannte, obwohl es in Wirklichkeit gar nicht isotonisch ist, und somit auch nicht blöde macht. Der Grund, warum ich es trotz meiner bestehenden Vorurteile getrunken habe war, dass man in den USA schon nach kürzester Zeit Cola-übersättigt wird und dann an der Tankstelle gerne mal auf andere Getränke ausweicht. Was ich aber jetzt eigentlich anmerken wollte ist, dass wir festgestellt haben, dass vieles in Amerika süßer ist als das jeweils europäische Pendant. Cola zwar nicht oder nur unwesentlich, wohl aber z.B. Kakaotrünke, Cornflakes, Müsli-Riegel, Fruchtsäfte, Milchshakes in Fastfood-Budzen, Donuts… — und eben mein neues Lieblingsgetränk Nr. 2. Normalerweise schmecken diese aufgezählten Dinge unserer Meinung nach weniger süß besser (wir haben keinen Kakaotrunk im Supermarkt gefunden, der auch nur ansatzweise trinkbar war), jedoch mit Ausnahme meines nicht-isotonischen Durstlöschers. Fazit: »Gatorade« schmeckt in Amerika besser als in Deutschland.
Aber zurück zu Key West: Wir sind mit einem Stadtplan ohne ein bestimmtes Ziel durch die Straßen geschlendert und haben dabei festgestellt, dass Key West 1. recht kein und 2. genauso touristisch »versaut« ist wie das French Quarter in New Orleans, allerdings auf eine andere Art und Weise, nämlich nicht mit Kneipen und Lokalen, sondern mit Souveniershops, Ramschläden, kleinen Boutiquen und Bars. Also eher Shopping statt Nightlife. Gleichzeitig scheint es auch als Wohngegend bei der reicheren Gesellschaft sehr beliebt zu sein. Wir kamen beispielsweise in einer Nobelgegend vorbei, deren Zufahrtsstraße von einem Pförtner bewacht wurde. Und natürlich hat Key West auch einen Jachthafen, der allerdings zum dortigen Zeitpunkt nicht unbedingt sehr voll von Luxusjachten war.
Wir merkten, dass uns Key West sehr schnell langweilte. Wahrscheinlich deshalb, weil es so sehr touristisch aufgemacht ist und so gut wie nichts mehr von Hemingways einst idyllischem Fischerdorf behalten hat. Wir hatten eigentlich keine große Lust mehr, uns weiter den Ort anzugucken und in irgendwelchen langweiligen Kneipen, z.B. dem Hard Rock Café, rumzuhängen und die überhöhten Preise für Getränke zu zahlen. Mich zog es sehr stark an die Strände von Miami Beach, Palm Beach und Daytona Beach, die unsere nächsten Ziele sein sollten. Ich hatte diese Klischées von Sonne, Sand und Meer im Kopf, die man z.B. aus dem Fernsehen oder aus Reiseprospekten kennt. Key West wurde also immer uninteressanter, und weil wir noch einen recht langen Rückweg vor uns hatten, beschlossen wir, nicht mehr bis zum legendären Sonnenuntergang zu bleiben. Letzteren sahen wir dann doch noch auf dem Weg über die Keys zurück zum Motel — wenn auch nicht ganz so stilvoll wie von Ernest's Veranda aus bei einem Glas Wein oder einem kühlen Cocktail.
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