Gitarren im Waschsalon / Dortmund und das Oktoberfest / Er-kann's-besser-Panik / St. Pete ausgebucht? / »Wir sprechen deutsh« / Ferienwohnung mit Kühlschrank

Bild 1, USA Ostküste: Perry - St. Petersburg Bild 2, USA Ostküste: Perry - St. Petersburg Bild 3, USA Ostküste: Perry - St. Petersburg

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Nach diesem kurzen Zwischenstop in Perry wollten wir heute endlich nach St. Pete kommen. Was aber vorher noch dringender war: Uns gingen nun langsam die sauberen Klamotten aus — bedingt auch dadurch, dass es zu dieser Zeit im Süden der USA einfach nur schweineheiß ist. Man zieht beim Laufen fast schon eine Schweißspur hinter sich her. Wir beschlossen, in Perry einen Waschsalon aufzusuchen und fanden ihn gar nicht weit entfernt vom Motel neben einem großen Supermarkt.

Etwas komisch kam uns der Laden schon vor, als wir eintraten. Im Eingang stand eine gläserne Vitrine mit allerhand Gitarrenzubehör darin: Effektgeräte, Kabel, Tonabnehmer und mehr. Aber wir wollten ja lediglich waschen, was wir dann auch taten. Allerdings benötigten wir vorher mal wieder eine kleine Hilfe von Einheimischen: Wie zur Hölle funktionieren diese Maschienen? Der Besitzer des Ladens zeigte es uns, und so kamen wir mit ihm ins Gespräch. Natürlich wollte er erstmal wissen, wo wir herkommen. Klar, Deutschland war ihm schon bekannt, aber wo genau wir herkommen mussten wir ihm beschreiben mit »200 Kilometers near Dortmund. You know Dortmund?«. Neh, Dortmund kannte er natürlich nicht. Gibt's dort Berge? Wir einigten uns darauf, »between Munich and Hamburg« zu wohnen. Das stellte ihn ruhig, denn München war ihm (und wohl jedem anderen Amerikaner auch) bekannt durch das Oktoberfest.

Als wir dann mal wieder dran waren mit Fragen, wollten wir natürlich wissen, warum in einem Waschsalon Gitarrentechnik rumsteht. Er erklärte es uns damit, dass Gitarrespielen sein größtes Hobby sei und er eigentlich einen Gitarrenladen aufmachen wollte. Irgendwie sei's dann aber doch ein Waschsalon geworden, und zum Ausgleich verkaufe er halt nebenher ein bisschen Gitarrenkram. Sprach's und ging danach zu einem Schrank, um eine Akkustikklampfe zu holen. Was dann kam erstaunte mich, denn der Typ spielte dermaßen klasse, dass ich meinerseits beschloss, nie wieder Gitarre spielen zu wollen. Das war natürlich nur ein kurzer Anfall von Er-kann's-besser-Panik, und als er erzählte, dass er schließlich durch seinen Waschsalon genug Zeit zum Üben habe, wusste ich, woran's lag. Wir plauderten noch ein wenig, guckten den Waschautomaten beim Drehen zu, erfuhren, dass er in einer Kirchenband spielte, falteten unsere Sachen auf, packten sie in die Koffer, und dann ging es schließlich weiter in Richtung St. Petersburg. »St. Pete's nice!«, sagte er. »We will see«, dachten wir.

Und es war nice, er hatte recht. Couponwältzend fuhren wir durch die Stadt, immer in Richtung Strand. Lots of coupons, lots of motels: Wir fingen am Anfang der Straße am Stand an, wo die meisten Motels lagen, und fragten nach Preisen und freien Zimmern. Leider stellte sich raus, dass alle seriös wirkenden Motels ausgebucht waren, während die heruntergekommenen Budzen (Nein, diesmal nicht unser japanisches Fahrzeug!) genug Zimmer frei hatten, dafür aber meist $50 sehen wollten. Und im Hinblick auf unsere Erfahrungen im »Admiral Benbow« in Memphis beschlossen wir, billige Motels zukünftig zu meiden, oder aber genau zu inspizieren, bevor wir eincheckten.

Wir hatten inzwischen das Ende der Straße erreicht und befanden uns schon in einer Art Wohngegend, als wir umdrehten und uns plötzlich das Schild ins Auge sprang: »Wir sprechen deutsh«. Es war kein typisches Motel, sondern eher eine Art Ferienanlage mit Appartments. Natürlich hatten wir keine Coupons für dieses Motel, hielten aber trotzdem an um zu fragen, ob ein Zimmer frei war. Das sollte eine unserer cleversten Taten in diesem Urlaub gewesen sein, für die wir uns noch in 20 Jahren auf die Schulter klopfen würden: Wir bekamen nämlich nicht etwa nur ein lausiges Zimmer, sondern für $60 eine richtige Ferienwohnung mit Schlafzimmer, Bad, Wohnzimmer und Küche. Die Küche hatte einen Kühlschrank (mit Eisfach, ideal für Fertigpizzen und meinen Starbucks-Coffee) und einen Backofen, und wir beschlossen vor lauter Begeisterung, dass wir hier in St. Pete mal etwas länger bleiben wollten als in den anderen Städten bisher. Wir buchten deshalb für 3 Nächte bei den Motelbesitzern, einem Ehepaar aus der Schweiz, mit denen wir uns noch eine Weile unterhielten. Sie waren sehr nett, gaben uns Tipps, wo wir einkaufen konnten und wo der Strand gut ist. Sie erzählten uns außerdem, was sie seinerzeit nach St. Pete verschlagen hatte. Nette Leute, nette Wohnung, nette Stadt — Let's got to the beach!

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