Unterwegs zur Redneck Riviera / zum ersten mal Palmen und weiße Sandstrände / Halt in Ft. Walton Beach / zwei Sixpacks / wichtige Dinge des Lebens / noch ein Sixpack / die richtige Zimmernummer / der Survival-Hacho
Anzeigen
Wir hatten überlegt, ob wir noch länger in New Orleans bleiben sollten, hatten uns dann aber dagegen entschieden. Ich wollte auf keinen Fall länger bleiben, während Frank und Marko recht angetan von der Stadt waren, allerdings auch keine Einwände dagegen hatten, weiterzufahren. Wir checkten deshalb an diesem Morgen aus dem Hotel (diesmal war's ein Hotel, und kein Motel) aus, sattelten unsere Nissan-Budze und verließen die Stadt mit dem Ziel Santa Rosa.
Santa Rosa wurde uns im Reiseführer des ADAC, den wir vorm Urlaub kostenlos erhalten hatten, als Geheimtipp angepriesen. In ihm las man, dass dort die schönsten Strände Floridas lägen, insgesamt etwa 200 km lang und mit puderfeinem, weißem Sand bedeckt. Santa Rosa ist eine Halbinsel im Golf von Mexiko, zwischen Pensacola und Panama City gelegen, und laut Reiseführer nicht so von Urlaubern überlaufen wie Miami Beach und Orlando. Da hier vor allem Südstaatler ihre Ferien verbringen, nennt man den Strand auch "Redneck Riviera". Da wollten wir nun also hin und uns die Sonne auf den Pelz brennen lassen.
Als wir in Pensacola vom Highway runter und in Richtung Strand fuhren, bekamen wir schon mal einen ersten Eindruck von der Schönheit dieser Gegend. Hier gab es Palmen — richtige, echte Palmen! — und dazu weiße Sandstrände so weit man gucken konnte. Die Straße nach Santa Rosa führte meist direkt am Ufer entlang, so dass wir ständig das Meer sahen. Wir hätten sehr gerne ein Cabrio gehabt!
Unterwegs blätterten wir wie üblich in unseren Couponheften rum und stellten dabei fest, dass es in Santa Rosa leider nur sehr wenige Motels gab, und diese auch noch sehr teuer waren. Wir hatten uns vorm Urlaub vorgenommen, für Übernachtungen höchstens $50 zu zahlen. Bisher lagen wir meist darüber, so dass wir keine große Lust hatten, in Santa Rosa haltzumachen. Als Alternative bot sich Ft. Walton Beach an. Ein Ort, der ebenfalls am Strand und etwa 20 Meilen von Santa Rosa entfernt lag. In diesem Ort waren die Preise der Motels äußerst niedrig, und wir fanden auf Anhieb eins, das sehr sauber und gepfegt war, am Strand lag und außerdem einen Waschraum hatte. Letzterer kam sehr gelegen, denn so langsam gingen uns die sauberen Sachen aus.
Nachmittags guckten wir uns ein bißchen im Ort um und gingen einkaufen. Eigentlich wollten wir ja zum Strand fahren, hatten aber nach der langen Fahrt von New Orleans aus keine Lust mehr, uns nochmal ins Auto zu setzen. Das Motel selbst hatte zwar keinen Sandstrand, aber dafür mehrere Sitzmöglichkeiten am Ufer und einen langen Bootssteg. Frank und Marko hatten sich im Supermarkt je ein Sixpack Budweiser (»Buuud...wei...serrr...Beer!«) gekauft, und damit fläzten wir uns am Abend auf die Bänke am Ufer. Nach kurzer Zeit waren wir in Diskussionen über die wichtigen Dinge des Lebens verwickelt (Marko: »Ich würde auf eine einsame Insel auf jeden Fall die 'Wish you were here' von Pink Floyd mitnehmen.«), und die beiden pichelten nach und nach ihr Bier zuende. Nach einiger Zeit ging ich dann schonmal aufs Zimmer, weshalb ich leider den lustigsten Teil des Abends verpassen sollte...
Frank und Marko kamen nämlich erst nach weit mehr als einer Stunde zurück ins Zimmer, waren ziemlich breit, weil sie sich an der Tanke gegenüber noch ein Sixpack geholt hatten, und waren am Lachen wie die Irren. Als sie drin waren, verrammelte Marko die Tür und Frank holte einen Stuhl, um ihn davorzustellen. Ich hatte mich vorher schon ins Bett gelegt und war auch schon eingeschlafen, bevor die beiden das Zimmer stürmten, wurde aber durch den Lärm wach. Immer noch lachend erzählten sie mir, was passiert war:
Nachdem sich die beiden das Sixpack an der Tanke geholt hatten, saß auf ihrer Bank ein Typ, der wohl schon sehr lustig aussah in seiner Armeehose, aber dazu auch noch einen ziemlichen Blödsinn erzählt hat. Angeblich sei er schon seit mehr als 72 Stunden wach und würde sich den ganzen Tag Aufputschmittel reinhauen, um nicht einzuschlafen. Frank und Marko hatten ihm eine Dose Bier gegeben und ihrerseits angefangen, falsche Geschichten zu erzählen. Sie hatten wohl ziemlich viel Spaß dabei, dem Typen totalen Blödsinn zu erzählen. Wirklich lustig wurde es dann, als er sie nach ihrer Zimmernummer fragte und Marko alles gegeben hat: Schon ziemlich besoffen wollte er bewusst eine falsche Nummer sagen, um den Typen später nicht am Hals zu haben, und sagte »Hundert.......- *denk*...18!«. In dem Moment trat Frank ihm unterm Tisch vors Schienbein, denn die Nummer war natürlich genau die Richtige (Stil Homer Simpson: »D'OH!«).
Der Grund, warum die beiden die Zimmertür verrammelt hatten, war also, dass sie Schiss davor hatten, dass der Typ uns nun belästigen würde. Sie malten sich schon die schlimmsten Dinge aus, z.B. dass er wahrscheinlich nachts versuchen würde, bei uns einzubrechen, und lachten sich trotzdem ausgiebig darüber kaputt. Als Marko den Typen dann »Survival-Hacho« nannte, war es mit der Ruhe ganz vorbei. Die beiden kriegten sich mindestens für eine halbe Stunde lang vor Lachen überhaupt nicht mehr ein. Sie wieherten ständig den Namen »Survival-Hacho«. Na ja, irgendwann waren sie dann schließlich auch still — bis wir am nächsten Morgen durch großen Lärm geweckt wurden, als nämlich das Reinigungsteam des Motels die Tür vor den Stuhl knallte.
Anzeigen




