Jazzmetropole / tropische Hitze / Schwestern der Wohlfahrt im French Quarter / Starbucks und Kaugummi / Heuschrecken und Slalomlauf

Bild 1, USA Ostküste: Memphis - New Orleans Bild 2, USA Ostküste: Memphis - New Orleans Bild 3, USA Ostküste: Memphis - New Orleans Bild 4, USA Ostküste: Memphis - New Orleans Bild 5, USA Ostküste: Memphis - New Orleans

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New Orleans, bekannt vor allem als Jazzmetropole und durch das berühmte French Quarter. Wer »A Streetcar named Desire« (Endstation Sehnsucht) gesehen oder gelesen hat, der ahnt, wie's dort zugeht. Wir erhofften uns natürlich ein paar nette Kneipen mit Livemusik, wo wir so richtig einen draufmachen konnten. Also zogen wir los, nachdem wir im Hotel eingecheckt, die Memphis-Dusche nachgeholt und uns ein Stündchen auf's Ohr gehauen hatten.

New Orleans ist nicht nur durch den Jazz und das French Quarter bekannt, sondern leider auch dadurch, dass hier nicht gerade die sauberste Gegend der USA ist. Die Kriminalitätsrate liegt hier recht hoch. Trotzdem hat diese Stadt einen sehr starken Reiz - wahrscheinlich deshalb, weil sie so anders ist als viele andere Städte Amerikas. New Orleans wirkt natürlich sehr französisch, und gleichzeitig hat man hier beinahe tropische Temperaturen. Wir fanden, dass die Hitze von allen Orten Amerikas, an denen wir bisher waren, am unerträglichsten war und schmolzen in der Sonne dahin.

Das French Quarter war dann im Grunde auch so, wie wir es uns vorgestellt hatten, und wie es in »Endstation Sehnsucht« beschrieben wurde: Unmengen von Kneipen, Bars, Sexclubs, Restaurants und Snackbuden. Animateure, die einen in die Lokale zu locken versuchen. Der Geruch von Essen. Livemusik aus allen Ecken. Straßenkünstler mit einer Traube von Menschen davor, und dazwischen immer mal wieder Schwestern der Wohlfahrt, die für Obdachlose sammelten. Irgendwie schien dies alles wie eine riesengroße Party, und im Gegensatz zu Chicago schien das Gesetz, in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken zu dürfen, hier im French Quarter aufgehoben worden zu sein. Frank und Marko waren schwer beeindruckt von diesem Viertel und bestellten am Tresen einer Kneipe zwei Bier. Mir war das French Quarter eher unangenehm und zu sehr als Touristenattraktion aufgemacht - so wie viele Dinge in Amerika, die im Ausland bekannt sind. Die Preise in den Lokalen waren bis auf's Bier sehr hoch, und da ich kein Bier mag, verging mir recht schnell die Lust an diesem Stadtviertel. Ich sagte den Jungs, dass ich schonmal zurück zum Motel gehen würde. Die beiden stimmten zu, wollten aber selbst noch ein Bierchen trinken.

Auf dem Rückweg bin ich noch kurz in einen Supermarkt gegangen um mir ein paar Flaschen Starbucks Coffee und Kaugummis zu besorgen. Als ich wieder raus kam und mich auf den Rückweg zum Motel machte, fiel mir dann nach kurzer Zeit auf, dass mir ständig irgendwelche Viecher gegen die Beine knallten. Erst dachte ich dabei an Fliegen oder ähnliches Geviech, doch als ich mal kurz stehenblieb und mich umguckte, bemerkte ich die Unmengen von Heuschrecken (oder welcher Gattung diese Tiere auch immer gewesen sein mögen), die sich auf der Straße, in den Bäumen und in der Luft befanden. Diese Tierchen schienen zwar allesamt harmlos, aber dennoch empfand ich sie nicht unbedingt als angenehm. Als ich dann bemerkte, dass die Kerlchen enorm hohe Sprünge machen konnten und dies auch in unregelmäßigen Abständen taten, wurden sie mir eher noch unsympathischer. Für die Einheimischen in New Orleans muss es ziemlich blöde ausgesehen haben, wie ich von dem Augenblick an versuchte, in einer Art Slalomlauf den Tieren auszuweichen und mich abwechselnd duckte oder drübersprang. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass die Viecher blind sein mussten. Sie wichen nicht etwa aus, wenn ich vorbeikam, sondern hopsten auf gut Glück in die Richtung, in die sie auch guckten - oder eben nicht guckten, falls wirklich blind. Sie machten keinerlei Anstalten, mich freundlich vorbeizulassen. Ich war wirklich heilfroh, als ich endlich die Lobby des Hotels erreicht hatte.

Frank und Marko kamen etwa eine halbe Stunde später im Hotel an und fragten mich, ob ich draußen auf der Straße auch diese komischen Heuschrecken gesehen hätte und ob ich bemerkt hätte, dass sie 1. fliegen und 2. ganz schön hoch springen könnten. Frank fand sie extrem unangenehm, und ich wette, dass die Einheimischen schon Klappstühle und kaltes Bier nach draußen geholt hatten, um sich laut lachend anzuschauen, wie drei Touris im Zickzack hüpfen.

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