Home of Elvis Presley / Bekanntschaft mit Admiral Benbow / Graceland, Souvenirshops und Gartenzäune / Kaffeefahrt / Rotlichtmilieu / heiße Telefonflirts in der Nacht / Check-out bei Sonnenaufgang

Bild 1, USA Ostküste: St. Louis - Memphis Bild 2, USA Ostküste: St. Louis - Memphis Bild 3, USA Ostküste: St. Louis - Memphis

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Memphis, Tennessee, Home of Elvis Presley. Frank hatte sich in den Kopf gesetzt, am Grab des Kings eine CD seiner Band niederzulegen. Ob das den großen Meister allerdings in irgendeiner Form beeindruckt hätte, ist fraglich. Die Aktion erledigte sich allerdings schon dadurch, dass Frank seine aus Deutschland mitgebrachte CD in Chicago an Tanja verschenkt hatte. Somit bekam Elvis keine Musik.

Nachdem wir St. Louis hinter uns gelassen hatten, befanden wir uns nun also in Memphis. Und wie immer, wenn wir in eine fremde Stadt kamen, hatten wir vorher eifrig unsere Coupon-Hefte gewälzt (»We are stinking of coupons!«), um ein geeignetes (also günstiges) Motel zu finden. Memphis bot uns das, was wir in keiner anderen Stadt zuvor zu sehen bekamen: ein Motel namens "Admiral Benbow Inn" offerierte für $25 (in Worten: fünfundzwanzig). Überzeugend günstig für drei mittellose Halbstudenten mit japanischem Mietwagen. Genau unser Niveau. Wir ritten unsere Nissan-Budze auf den Hof und guckten uns vorsichtig um. Das Motel war wohl in früheren Jahren mal ein ziemlich nobeles seiner Gattung gewesen. Es schien jedoch, dass es seitdem nicht ein einziges mal renoviert wurde. Und obwohl das Zimmer, das wir uns probehalber anschauten, genauso runtergekommen war wie der Rest des Motels, beschlossen wir in unserem Spardrang, dass es für eine Nacht gar nicht so schlecht sein konnte. Außerdem schien draußen die Sonne und wir waren (noch) gut gelaunt.

Auf dem Programm stand nun Graceland, das Haus des Kings. Der Weg dorthin war nicht sehr schwer zu finden, denn es schien, als sei Graceland die große und einzige Attraktion hier in Memphis. An jeder Straßenecke war es bestens ausgeschildert. Die Anlage selbst war in zwei Teile geteilt: Der Teil auf der einen Straßenseite beinhaltete Souvenirshops, Souvenirshops und Andenkenläden. Der Teil auf der anderen Straßenseite Elvis' Haus, seinen Garten und seinen Gartenzaun. Wollte man nur den einen Teil sehen - die Souvenirshops also - kostete das den Freundschaftspreis von $10, während man mit dem $20-Komplettangebot für beide Teile ein wahres Schnäppchen machte. Ich entschied spontan, müde zu sein, und zog mich ins Auto zurück. Frank und Marko machten die Kaffeefahrt mit dem Bus (man konnte nicht etwa einfach zu Fuß auf die andere Straßenseite gehen!) mit. Und es lohnte sich: Die beiden erfuhren aus erster Hand und mehrsprachig über Kopfhörer brisante Infos, dass Elvis damals in seinem Fernsehzimmer drei Geräte nebeneinander stehen hatte, um keins der Baseballspiele zu verpassen. Der King war kein Zapper, er war ein richtiger Junkie!

Als wir spätabends zurück zum Motel kamen, wurden wir schon freundlich begrüßt: An den Geländern der Außenflure lehnten 2/3 der flüchtigen Verbrecher Amerikas und guckten missgelaunt zu, wie wir unser Auto parkten. Weiterhin schien das Motel ein halber Puff zu sein, denn es herrschte reger Betrieb bei den anwesenden Damen. Na Wahnsinn: Von sicherlich 10.500 Motels in den USA landen wir ausgerechnet im Hilton-Regent von Memphis! Die Tür schlossen wir vorsichtshalber ab, soweit das möglich war (der Sicherungsriegel hing leblos in den Angeln). Die Vorhänge waren eh schon zugezogen. Da uns die Jungs draußen sowieso keinen Drink mehr an der nicht vorhandenen Motelbar ausgetan hätten, legten wir uns schlafen. Wir beschlossen außerdem, am nächsten Tag noch vor Sonnenaufgang auszuchecken und stellten den Wecker auf 5.30 Uhr.

Irgendwann nach langer Zeit eingenickt, schrillte plötzlich das Telefon. Völlig schlaftrunken nahm ich den Hörer ab und meldete mich unbeholfen deutsch-amerikanisch: »Please?!«. Eine Frau quatsche mir die Ohren in afro-amerikanischem Slang voll, wovon ich nicht ein Wort verstand und deshalb nachfragte: »Bitte was?!?«, woraufhin sie nur noch mit »Oh Shit!« konterte und auflegte. Ich war danach noch so müde, dass ich ziemlich schnell wieder einschlief. Frank erzählte am nächsten Morgen, dass er kein Auge mehr zubekommen hatte und senkrecht im Bett saß, als das Telefon irgendwann um 4 Uhr nachts nochmal klingelte (wovon ich im Tiefschlaf nichts mitbekommen hatte).

Pünktlich um 5.30 Uhr piepste der Wecker, und nachdem wir uns das siffige Bad genauer angeschaut hatten, verschoben wir das Duschen vorerst. Ausgecheckt wurde mit laufendem Motor bei einer alten Frau, die hinter einer vergitterten Rezeption saß, und dann ließen wir good old Memphis und sein Graceland hinter uns. Goodbye, Admiral Benbow!

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