Sweet Home Chicago / Tanja am Bundy-Brunnen / the-best-of-all room service / Blues-Metropole / Venetian Night / Polizisten auf Pferden / Karneval auf Wasser / jede Menge Partys

Bild 1, USA Ostküste: Chicago Bild 2, USA Ostküste: Chicago Bild 3, USA Ostküste: Chicago Bild 4, USA Ostküste: Chicago Bild 5, USA Ostküste: Chicago

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Sweet Home Chicago — diese Stadt war wirklich die Geilste, die wir bisher zu Gesicht bekommen hatten. Irgendwie hatte die Stadt etwas Freundliches und Offenes an sich, auch wenn wir nicht sagen konnten, was es genau war. Anfangs waren wir erstaunt über die enorme Polizeipräsenz, doch wie sich später rausstellte, lag das daran, dass genau an diesem Tag die jährlich im Sommer stattfindende »Venetian Night« war. Aber dazu gleich mehr.

Erstmal wollten wir Tanja am Bundy-Brunnen treffen. Sie war schon da als wir kamen, und irgendwie war es ein komisches Gefühl, eine Bekannte ausgerechnet ein paar tausend Kilometer von zu Hause entfernt zu treffen. Bei ihr waren noch ein anderes Au Pair-Mädel samt Freund, und wir zogen zusammen los durch die Innenstadt. An die Verständigung mussten wir uns zuerst gewöhnen, da Tanja uns sagte, dass wir Englisch sprechen sollten, damit die anderen uns auch verstehen. Meist quatschten wir ganz in Gedanken auf deutsch los, und außerdem war unser Englisch noch nicht the-best-of-all. Das hatten wir schon bewiesen, als wir im Motel nach dem »Room service« fragten und uns ein paar schiefe Blicke einhandelten. Schließlich heißen die Leute, die saubermachen, »Housekeepers«, während »Room service« oft in eine etwas andere Richtung geht — if you know what I mean.

Was gibt's über Chicago zu sagen? Die Stadt hat sich in vielen Bereichen einen Namen gemacht: als Geburtsort der Wolkenkratzer-Architektur (der Sears-Tower war lange Zeit das höchste Gebäude der Welt, bis irgendein Japaner auf die Idee kam, sein Haus noch ein paar Meter höher zu bauen), als Musikstadt (Chicago ist die Blues-Metropole schlechthin) und als Gangstermetropole (Al Capone und Co.) in den zwanziger Jahren. Zweifellos ist es die interessanteste und aufregendste Stadt des Mittleren Westens. Hier findet man eine Restaurant- und Kulturszene, wie man sie eigentlich in den Städten an den Küsten erwarten würde. Die Kulisse des Lake Michigan trägt außerdem einiges zum Ambiente bei. Und nicht umsonst hat man schon von einigen Prominenten gehört, Chicago sei »die« Stadt der USA, und nicht etwa New York.

Nun war also jüst am heutigen Abend die alljährlich stattfindende "Venetian Night". Wir konnten uns darunter nichts vorstellen, aber da sich Unmengen von Menschen zum Ufer des Lake Michigan drängten, musste es irgendwas mit Booten zu tun haben. Neben den Menschenmassen waren auch unzählige Polizisten unterwegs: zu Fuß, in Autos, auf Motorrädern, in Booten, auf Fahrrädern und sogar auf Pferden. Dies war doch sehr beruhigend und scheint für Deutschland, wo höchstens mal zwei gelangweilte Polizisten bratwurstmampfend über die Kirmes schlendern, völlig unmöglich. Was war nun also mit dem Gerücht, dass Amerika unsicher sei? An diesem Abend jedenfalls ganz sicher nicht!

Die Venezianische Nacht stellte sich dann als eine Art Karnevalsumzug auf dem Wasser raus. Bunt geschmückte Boote mit unzähligen Lichtern und lauter Musik, auf denen zahlreiche Leute tanzten, fuhren nacheinander am Ufer vorbei, an dem sich die Zuschauer rumlümmelten. Es war wie ein großes Volksfest: es gab Pizza- und Getränkebuden, Verkäufer mit Leuchtstäben quetschten sich durch die Menge, und zu Beginn des Show flog sogar eine Kunstflugstaffel am Ufer vorbei. Auf den privaten Jachten und Booten, die am Ufer lagen, fanden Partys statt. Auf einem großen Schiff dudelte eine Live-Band ständig das Lied »Sweet Home Chicago«. Und obwohl Alkohol in den USA in der Öffentlichkeit verboten ist (auf den Jachten und Booten gab's natürlich was), schien es, dass die Leute einen Riesenspaß hatten. Wir kamen an dem Abend erst spät ins Motel zurück und waren sehr begeistert von dieser Stadt!

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