Fahrt durch Kanada / Detroit Rock City / Baustellen und Umleitungen / Freitag-abend-Party-Stau / doch keine Kneipentour / Detour in die Vororte / 200 km Stadtrundfahrt
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An diesem Morgen ging's nun also wieder zurück zu den Niagara-Fällen, um von dort aus durch Kanada nach Detroit zu fahren. Durch Kanada wollten wir deshalb, weil der alternative Weg südlich entlang des Lake Erie wahrscheinlich nicht so interessant gewesen wäre. Wir hätten dort die Städte Cleveland und Toledo gesehen, die keinen von uns sonderlich interessierten. Kanada hingegen ist ja allgemein bekannt für seine wunderschönen Landschaften, wovon wir dann auch einen kleinen Eindruck bekamen. Und auch die Einreise war bedeutend freundlicher als die Einreise in die USA. Die Kanadier nehmen die Dinge einfach oft lockerer als die Amerikaner.
Für Detroit war eigentlich geplant, dass wir uns das Ford-Museum angucken wollten. Da wir jedoch erst abends im Motel ankamen, hatte sich dieser Plan schon erledigt. Das Motel lag auch sehr weit außerhalb der Stadt. Sicherlich 20 Meilen, wobei sowas in Amerika keine große Rolle spielt. Schließlich ist man dort weite Entfernungen und niedrige Spritpreise gewohnt. Wir änderten jedenfalls den Plan für diesen Abend und beschlossen, erst um 21-22 Uhr in die Innenstadt zu fahren um zu schauen, ob wir nicht irgendeine Kneipe mit Livemusik, einen Club oder ähnliches fänden. Detroit ist schließlich bekannt als "Detroit Rock City".
Was uns dann erwartete würde ich eher als »Detroit-hat-viele-Baustellen-City« bezeichnen. Irgendwie schien jede einzelne Straße, die in die Innenstadt führte, durch Baustellen blockiert zu sein, und wir wurden alle Nase lang durch eine Umleitung gezwungen. Schließlich landeten wir dann doch erfolgreich in Detroit Downtown, wo wir direkt in einen langen Freitag-abend-Party-Stau kamen. Um uns herum standen hunderte von Autos. Die meisten davon mit heruntergelassenen Scheiben und lauter Musik. Der Grund für den Stau war natürlich wieder eine Baustelle, und wir hatten somit genug Zeit, uns die Skyline rundrum inklusive der überstylten Frauen in den Bunken-Autos anzugucken.
Leider stellte sich dann raus, dass die Innenstadt von Detroit nicht unbedingt voll von Kneipen ist, sondern eher aus Unmengen von Banken, Versicherungen und anderen Wolkenkratzern besteht. Hier war für den Abend nichts mehr zu holen, und da wir keinen Stadtplan hatten, wussten wir auch nicht, wo wir sonst hinfahren sollten. Also blieb uns nur der Weg zurück zum Motel. Und da war auch schon das nächste Problem an diesem Abend: wer schonmal ohne Kartenmaterial in eine Millionen-Großstadt gefahren ist, wird ahnen, was nun kommt. Den gleichen Weg, durch den wir in die Stadt kamen, konnten wir leider nicht wieder hinaus nehmen, weil er aufgrund der Baustellen zu einer Einbahnstraße gemacht worden war. Also erstmal irgendwie zum Highway und dann weitersehen…
Auf dem Weg zum Highway wurden wir wieder mal durch tausend Umleitungen geführt, die in Amerika normalerweise durch einen orangefarbenen Pfeil mit der Unterschrift »Detour« gekennzeichnet sind. Nicht aber in Detroit! Hier gab's lediglich den orangen Pfeil, und den auch nur zwei- oder dreimal. Danach hörte er urplötzlich auf, und man war auf sich selbst gestellt. So kam es, dass wir orientierungslos in der Stadt kreisten, immer auf der Suche nach irgendeinem Highway. Und Detroit ist wirklich beschissen groß! Unterwegs fragten wir an zahllosen Tankstellen und wurden grundsätzlich in unterschiedliche Richtungen geschickt, so dass wir später nichtmal mehr wussten, wo Mekka liegt und wer eigentlich das Auto fährt. Als dann plötzlich von allen Seiten Autos mit Hupe und Lichthupe auf uns zuschossen, hatten wir nicht die geringste Idee, was passiert war. Bis wir uns umguckten und merkten, dass wir soeben reichlich mittig über einen riesengroßen Kreisverkehr mit 7 Einmündungen gekachelt waren. Es war aber auch tückisch, schließlich hatte der nichts weiter als Markierungen auf der Straße und nicht etwa Bäume oder Litfaßsäulen in der Mitte, so wie in good old Germany. Frank lachte sich schon kaputt, weil er selbst ja den Orientierungssinn einer kaputten Porzellan-Brieftaube hat und meinte, die Grundregel beim Verfahren sei, dass man nicht umkehrt, sondern so lange geradeaus fährt, bis man den richtigen Weg findet. Auf diese Weise lernten wir noch die Vororte von Detroit kennen. Als wir schließlich um 1.00 Uhr nachts am Motel ankamen, hatten wir eine Strecke von etwa 200 km zurückgelegt und waren schon weit über den Punkt hinaus, Detroit zu hassen.
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