Niagara-Fälle / Aus- und Einreise / Kanada ohne Vorstrafen und zerknüllte Zettel / Studentinnen im Zollhäuschen / Wasser, das vom Himmel stürzt
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Der Hauptgrund, weshalb wir in Buffalo angehalten hatten, waren eigentlich die Niagarafälle, die ziemlich weit nördlich an der Grenze zu Kanada liegen. Dafür, dass »The Falls«, wie sie dort heißen, eine große Touristenattraktion sind, sieht die Gegend drumherum jedoch ziemlich abgewrackt aus. Erstaunlich, weil die Amerikaner normalerweise jedes noch so kleine Attraktiönchen angemessen darzustellen versuchen. Aber wie sich hinterher rausstellte, sind die Niagarafälle auch eher eine kanadische Attraktion, da man von amerikanischer Seite her nicht besonders viel von ihnen zu sehen bekommt. Wir mussten also nach Kanada einreisen — und das verlief ganz anders, als die Einreise in die USA.
Unser "Einchecken" in Amerika, das vergaß ich zu erzählen, war nämlich gar nicht so einfach: Im Flugzeug wurden uns ziemlich schnell nach dem Start in Frankfurt zwei Zettel gereicht, die wir während des Fluges ausfüllen sollten. Auf den Zetteln musste man eine ganze Menge eintragen. Wie man heißt, wo man herkommt, warum man in die USA möchte, wie lange man bleibt, wo man dort wohnt, ob man genug Kohle dabei hat, ob man was zu verzollen hat... und, ganz wichtig, ob man ein Rückflugticket besitzt. Insgesamt also ein sehr herzhafter Emfang, der sich locker über 1-2 Stunden und viele kritische Blicke seitens der Passkontrolleure hinziehen kann. Als wir dann schließlich im Airport-Terminal des JFK rumstanden und kurz davor waren, einzureisen - man ist nicht etwa "eingereist", wenn das Flugzeug gelandet ist, sondern erst dann, wenn man es geschafft hat, im Terminal an den meist unfreundlichen Bediensteten vorbeizukommen, die die Papiere checken - machten sich Frank und Marko plötzlich Gedanken, ob sie ihren zweiten Zettel, den sie im Flugzeug unter den Sitz geknüllt hatten, auch wirklich brauchen würden. Ich hatte meinen zweiten Zettel auch irgendwo in die Hosentasche gestopft, fand ihn jedoch halbwegs funktionstüchtig dort wieder! Es lief also darauf hinaus, dass ich nach der Passkontrolle erst eine halbe Stunde warten musste, bis die beiden einen neuen Zettel ausgefüllt hatten, der dann nach zwei Versuchen auch von den Kontrolleuren für gut befunden wurde. Danach erst durften Frank und Marko endlich durchgehen, also »einreisen«. A warm welcome!
In Kanada war's ganz anders: Wir kamen mit unserer Nissan-Budze ans Zollhäuschen gefahren, in dem eine Schülerin oder Studentin sich wohl ihr Taschengeld aufbesserte und uns freundlich begrüßte. Sie fragte, wo wir hinwollten, und wie lange wir bleiben wollten. Erst Niagara-Fälle, und morgen dann nach Detroit - wohlgemerkt durch Kanada - sagten wir ihr. Oh, fine! Nur eben zur Passkontrolle in das kleine Häuschen am Straßenrand gehen, sagte sie, und dann "have a nice day!" — Wie jetzt?! — Wollt ihr denn gar nicht wissen, wo wir in der Zeit wohnen, und ob wir genug Zettel dafür mithaben?! Und interessiert euch denn gar nicht, ob wir vorbestraft sind, wer uns diese Nissan-Budze mit CD-Player angedreht hat, und ob wir irgendwelche Rückflugtickets zu verzollen haben? Das interessierte hier scheinbar wirklich niemanden, und so bekamen wir ohne Probleme einen Stempel in unsere Pässe gedrückt.
Nun waren wir also bei den Niagara-Fällen, und was soll ich sagen: Wasser, das vom Himmel stürzt. Sehr beeindruckend. Unten konnte man sich für eine handvoll Dollars den Spaß gönnen, sich in Regenmänteln und Schwimmwesten gekleidet auf einem Fischkutter ganz nah an die Fälle ranbringen zu lassen. Darauf waren wir allerdings nicht sonderlich scharf. Außerdem gab's am Ufer einen hohen Turm mit Namen »Skylon Tower«, von dem aus man einen besseren Überblick haben sollte. Aber auch dort wollten wir nicht rauf. Letzteres hätte nämlich sicherlich wieder eine handvoll Dollars gekostet. Auf dem Rückweg zum Motel kamen wir dann an einer »Pizza Mütze« vorbei, und dort gab's meiner Meinung nach das beste Essen in ganz Amerika. Einmal Dinner-for-three: Meatlovers-Pizza (die mit den Fleischklöpsen drauf), drei bis zum Überlaufen angehäufte Salatteller und dazu soviel koffeinhaltige Limonade mit Zuckerzusatz wie wir vertragen konnten.
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