8 statt 12 Stunden / nachts am Straßenrand / rote Ampeln im Slumgebiet / tötende Blicke / verschlafene Motelbesitzer in Jogginganzügen / Rastanlage statt Motelzimmer / Technikwahn bei Parkautomatmaschinen / Geisterstadt / bussfahrer@uni
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Nach 8 Stunden Fahrt - einschließlich einem ausgiebigen Essen beim Burgerkönig am Highway — waren wir plötzlich schon in Buffalo. Es war mitten in der Nacht (ca. 2 oder 3 Uhr) und wir verdammt müde. Jetzt hieß es, sich die Zeit bis zum Morgen totzuschlagen, möglichst schlafend. Das Problem dabei war nur, dass es für drei deutsche Touristen nicht gerade ratsam ist, sich mitten in der Nacht in Amerika mit einem Mietwagen an den Straßenrand zu stellen und dort zu schlafen. Die Gegend rund um Buffalo schien auch nicht gerade sehr vertrauenswürdig, was uns spätestens dann klar wurde, als wir durch ein Slumgebiet fuhren und dort eine zeitlang vor einer roten Ampel halten mussten: Aus der Eckkneipe kam ein Riesenkrach, der sich nach einem handfesten Streit anhörte. Danach schleppte sich eine Frau auf die Straße, die völlig stoned guckte und uns einen Blick zuwarf, der töten konnte. Glücklicherweise sprang die Ampel in dem Moment auf grün, so dass wir unserem Nissan die Sporen gaben. Wir haben dann auf dem Parkplatz einer großen Kaufhauskette gehalten, konnten aber bis auf Marko, der schon die ganze Zeit über auf der Rückbank ratzte, nicht schlafen.
Dann kam uns die Idee, dass es doch sicherlich möglich sein sollte, schon nachts im Motel einzuchecken und dann aber erst für die kommende Nacht zahlen zu müssen. Für die Motels wär's ja schließlich kein Unterschied, ob man nun morgens um 3 Uhr oder um 11 Uhr mittags eincheckt. Außerdem hingen an den meisten Motels Schilder mit der Aufschrift "opened" oder "please ring bell" an den Türen. Warum also nicht einfach mal anklingeln und nachfragen? Wir suchten uns von den zigtausenden Billigmotels rund um die nördliche Gegend von Buffalo die sympathischsten raus — das waren nicht gerade viele — und klingelten dort an. Das Ergebnis war eine handvoll verschlafener und siffiger Motelbesitzer mit verquollenen Augen, die uns ziemlich muffelig erklärten, dass es $40 kosten würde und wir um 12 Uhr auschecken müssten. Und wieder hatten wir etwas über Amerika erfahren, nämlich, dass Motelbesitzer nachts Jogginganzüge tragen, und dass man hier frühestens mittags in Motels einchecken kann.
Wir haben die Nacht dann schließlich auf einer Rastanlage am Highway im Auto verbracht und waren am Morgen völlig geschlaucht. Um 12.30 Uhr konnten wir im Motel einchecken und haben uns natürlich sofort auf die Betten geworfen, um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen. Für den Tag war nichts Besonderes mehr geplant. Wir wollten uns später lediglich noch kurz die Innenstadt von Buffalo anschauen.
Amerika ist ja bekannt als ein Land, in dem Hi-Tech und Computer eine große Rolle spielen — so sagt man jedenfalls. In Buffalo ist dieser Technikwahn allerdings schon so weit fortgeschritten, dass sogar wir, die ja eigentlich im besten Alter wären, um unsere Internet-Start-Ups im Mercedes SLK an die Börse zu fahren und dort per Handy noch ein paar Flugtickets zu buchen, nicht mehr weiter wussten: Wir standen auf einem Parkplatz in Buffalo Downtown und überlegten ziemlich lange, wie denn dieser Parkautomat wohl zu bedienen war. Er bestand aus einer großen Metallbox, die unterteilt war in zahlreiche kleine Kästchen, die mit Nummern beschriftet waren und kleine Schlitze hatten, in die man irgendwelche Dinge reinwerfen konnte. Sollten wir nun in das Kästchen mit der Nummer, die zu unserem Parkplatz gehörte, nach Belieben ein bisschen Geld, Kaugummis oder Zigaretten stecken? Durch Zufall kam in diesem Moment ein weiterer Parkplatznutzer, der einen kleinen Briefumschlag in den Schlitz steckte und dann den Parkplatz verlassen wollte. Drogen etwa?! Wir nutzten die Chance, ihn anzusprechen, und dadurch diese komplizierte Parkautomatmaschine irgendwie zu begreifen. Er erklärte uns das System so: Man nehme einen kleinen vorgefertigten Briefumschlag, den man 10m weiter an einem leerstehenden Parkplatzwächterhäuschen bekommt, schreibe sein Autokennzeichen und die Ankunftszeit drauf, befülle diesen Umschlag mit $3 und stecke ihn dann in den zugehörigen Schlitz der Metallbox. Eigentlich gar nicht komplizierter als ein Online-Shop, wie wir fanden.
Buffalo wirkte auf uns wie eine Geisterstadt. Auf den Straßen waren kaum Leute, und in dem großen Einkaufszentrum waren zwar die einzelnen Geschäfte geöffnet, jedoch lief außer uns fast niemand dort herum, der etwas kaufen wollte. Die Busse und Straßenbahnen waren genauso leer, und Kneipen oder Restaurants gab's anscheinend nicht in dieser Stadt. Es war schon fast beängstigend. Ich fühlte mich, als wär ich in einem Roman von Stephen King gelandet. "Kinder des Mais" etwa. Frank meinte: »In Buffalo ist echt der Arsch ab!«, und wir gingen zurück zum Auto.
Auf der Rückfahrt zum Hotel kamen wir dann noch an der »University of Buffalo« vorbei, die architektonisch jedoch nicht ansatzweise so interessant war wie Harvard in Boston, sondern eher im Stil der damaligen DDR-Plattenbauten aufgezogen war. Dafür gab's hier wiedermal die Möglichkeit für uns, ein paar eMails aus der Unibibliothek nach Hause zu schicken. Unsere extra für die USA-Reise eingerichtete eMail-Adresse war übrigens: Bussfahrer@gmx.de.
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