Abflug von Frankfurt um 8.30 Uhr / nasse Lappen, Nintendo und Britney Spears im Flugzeug / Ankunft am J.F.K. / Tod unterm Plexiglas / im Eisschrank nach Downtown / Blick aufs Empire / Porno-Channel im TV?
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Abflug vom Flughafen Frankfurt/Main um 8.30 Uhr mit Singapore Airlines. Das Flugpersonal war mit einem freundlichen Dauergrinsen bestückt und brachte uns, kurz nachdem wir in der Luft waren, ein paar heiße und nasse Lappen. Wir wussten als Anfängerflieger natürlich nichts damit anzufangen (»Ist irgendwas umgekippt?!«), haben die Sache dann allerdings schnell erkannt als wir sahen, was die anderen Fluggäste mit den Dingern machten. Nämlich erst das Gesicht abtupfen und dann einmal kräftig hinein schnauben. Oder auch andersrum. Igitt, nein, die Lappen waren lediglich als Erfrischungstücher gedacht und wurden auch genau dafür verwendet.
Das Flugzeug war mit LCD-Displays an jedem Sitz ausgestattet, auf denen man irgendwie alles machen konnte außer Kaffeekochen: Nintendo spielen, Filme gucken ("The Matrix" auf einem 10 cm Bildschirm bringt ein höllisches Kinogefühl!), Musik hören (ohne Bild natürlich), Infos über den Flug und den Zielort abfragen, etc. Wir waren von Anfang an damit beschäftigt, sämtliche Funktionen auszutesten. Marko hat auf seinem Nintendo sofort das Boxspiel ausprobiert und dabei schon vom zweiten Gegner ein paar Laschen erhalten, dass ihm die Ohren wackelten. Frank und ich haben abwechselnd ein Autorennen gespielt, das ungefähr so unterhaltsam war wie "Dinner for one" im 47. Silvesterjahr und haben dann versucht, im Musikprogramm eine halbe Stunde lang Joe Cocker und Status Quo zu ertragen, bis endlich Britney Spears kam. Der Flug zog sich ewig hin, bis wir um 11.30 Uhr Ostküsten-Zeit nach 9 Stunden auf dem J.F.K. Airport in New York landeten.
Unser Erdkundelehrer hatte uns immer gewarnt, dass in der Zeit der Sommermonate die Hitze an der Atlantikküste unausstehlich sei. Wir haben davon bei der Ankunft jedoch nichts bemerkt. Es schien hier angenehm kühl und trocken zu sein. Das änderte sich allerdings schlagartig, als wir das klimatisierte Terminal des Flughafens verließen und unter dem Vordach standen, wo die Busse und Taxis Richtung Downtown fuhren. Feuchte Luft von ca. 40°C wabberte um uns herum, und die Sonne knallte wolkenlos vom Himmel. Wir führten die Hitze darauf zurück, dass wir ja schließlich unter einem Vordach aus Plexiglas standen, wo sich schon mal ein bisschen warme Luft stauen kann, und gingen ein paar Schritte weiter ins Freie. Da war's dann aber noch schlimmer, und in diesem Moment wollten wir nur noch sterben. Unsere erste Bekanntschaft mit Amerika.
Der Shuttle-Bus ließ auf sich warten, also beschlossen wir, eines der unzähligen gelben Taxis ranzupfeifen. $30 nach Manhatten sollte es kosten, sagte der Fahrer. Wir stiegen bereitwillig ein und glaubten, in einem Kühlschrank gelandet zu sein. Die Klimaanlage stand auf höchster Stufe, und aus dem Radio kam schwarzer HipHop. »Is every day in New York so f%$king hot?«. Der Fahrer lachte sich kaputt, als er das hörte. Er erklärte uns außerdem, dass es gut war, dass wir das Taxi und nicht den Bus genommen hatten, weil der nämlich $35 gekostet und jedes Hotel auf dem Weg nach Manhatten mitgenommen hätte. »So you mean we are clever?« - »That's what I wanted to tell you!«. Am Hotel New Yorker angekommen gaben wir dem Mann 5 Dollar Trinkgeld, und er erklärte uns, besser nicht zu McDoof gegenüber zu gehen. »That's shit!«. Wir haben es bemerkt, doch dazu später mehr. Jetzt erstmal einchecken, danach eine Stunde auf's Ohr hauen. Dann die Stadt erkunden.
New York, the Big Apple, die Stadt der Extreme. Für drei Deutsche aus einem Ort mit 8.000 Einwohnern ganz schön beeindruckend. Diese Stadt richtet sich nicht nach der Uhrzeit. Hier sieht man Tag und Nacht Leute auf den Straßen. Man hört Taxis und Autos hupen, die Busse machen einen Höllenlärm beim Anfahren, und zwischendurch ertönt immer mal wieder das aufdringliche Geräusch einer Polizeisirene. Durch New York fließt ein Strom von Energie, der süchtig macht. Künstler und Einwanderer aus aller Welt trugen zum besonderen Flair dieser Stadt bei. Sucht man irgendwo auf der Welt eine Ansammlung hoher Häuser: hier findet man sie.
Unser Zimmer lag im 26. oder 28. Stock, soweit ich mich erinnere, und wir hatten einen guten Ausblick auf die 34. Straße und das Empire State Building. Am Empire waren wir tagsüber schonmal vorbeigeschlendert, aber nachts wirkte es noch viel beeindruckender mit seiner beleuchteten Spitze. In der ersten Nacht saßen Frank und Marko fast 2 Stunden am Fenster und guckten erstaunt auf das Leben in den Straßen, während ich auf dem Bett eingeschlafen war. Frank weckte mich dadurch, dass er zu Marko sagte: »Hey Marko, guck mal, wir haben ja doch den Porno-Channel!«
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